Schweizer Softwarefirma erobert Görlitz

Daniela Pfeiffer Presse

Markus Meier ist von Zürich an die Neiße gezogen. Ihn und seine Männer von benaja web solutions verbindet mehr als nur der Job.

Quelle: Sächsische Zeitung, 12.03.2012

In den letzten Tagen hat es so manche Nachtschicht gegeben. Das ist eben so, wenn ein großes Projekt vor dem Abschluss steht. Dann findet man bis zur letzten Sekunde immer noch Dinge, von denen man glaubt, sie besser machen zu müssen.Inzwischen hat sich der Stress wieder im normalen Bereich eingepegelt. Denn das jüngste Kind der Firma benaja ist online gegangen: Die neue Homepage des Bildungsmarktes Neiße. Benaja web solutions heißt es eigentlich richtig, das kleine Unternehmen von Markus Meier. Seine ersten Schritte hat es in der Schweiz gemacht, denn Meier ist Schweizer. Das hört man ihm auch an - auch wenn er sich das Görlitzer "Nu" schon sehr zu eigen gemacht hat. Seit 2007 lebt er immerhin schon in Görlitz. In der Computerbranche arbeitet er dagegen schon eine gefühlte Ewigkeit. "Ich bin seit ungefähr 25Jahren Softwareentwickler", sagt Meier. "Ich kenne noch die Zeiten, als wir schwarze Bildschirme mit Schrift drauf hatten. Es ist schon wahnsinnig viel passiert in den Jahren."
2004 machte sich Markus Meier als Computerspezialist in der Schweiz selbstständig. "Ich hatte von meiner alten Firma noch viele Kontakte und dachte halt, versuch ich's mal allein." Es lief gut. Zusammen mit anderen Freiberuflern der Branche entwickelte er unter anderem preisgekrönte Onlinespiele.
Aber die Liebe führte ihn nach Görlitz. Hier machte er zunächst als Freiberufler weiter. "Am Computer kann man überall arbeiten - ob Zürich oder Görlitz ist da egal." Seine alten Kontakte in die Schweiz hielten und so hatte der Neu-Görlitzer weiterhin genug zu tun. Genug, um sich Mitstreiter ins Boot zu holen. 2010 gründete er die jetzige GbR. Zusammen mit Roland Brandt und Tobias Gaertner. Firmensitz wurde ein Geschäft auf der Rauschwalder Straße. Zwei Bildschirme stehen hier auf jedem der fünf Arbeitsplätze, alles ist super ordentlich, die Worte an der Wandtafel in Englisch. "Unsere Besprechungen halten wir in Englisch ab", erklärt Tobias Donath, der vierte im Bunde. Er kümmert sich um das Marketing der Firma. Zum Einen, weil Englisch nunmal die Sprache des Internets und des Programmierens sei. Zum Anderen weil der neueste Mitarbeiter - ein junger Pole - noch nicht besonders gut Deutsch kann.
Es läuft gut für die Firma benaja, die hauptsächlich Websites programmiert, Web Applikationen entwickelt und Webshops erstellt. Unter den Auftraggebern finden sich Namen wie Sony Playstation Schweiz, die Zürcher Filmstiftung oder Swissmetal. "Ich lebe immer noch sehr von meinen Kontakten in die Schweiz", sagt Markus Meier. "Aber wir fassen langsam auch hier Fuß." Die Website für den Bildungsmarkt Neiße ist ein Beispiel dafür. Auch die Studentenplattform Offensiv der Hochschule Zittau-Görlitz haben die fünf Männer erstellt.

Mit dem Kollegen im Kreißsaal

Markus Meier mag seine neue Heimat. "Am Anfang war es schon ein Kulturschock", gibt er zu. Vor allem die Sauberkeit von daheim hat er vermisst. In der Schweiz seien die Straßen so rein, dass man von ihnen essen könnte. In Görlitz dagegen ist ihm der eine oder andere Hundehaufen aufgefallen. Oder Reste von Silvesterböllern im Mai.
Auch was das Geschäftliche angeht, hat Markus Meier Unterschiede festgestellt. "In der Schweiz zählt Qualität fast mehr als der Preis. Das ist hier nicht so. Hier bekommt meist der den Auftrag, der das billigste Angebot macht." Meier bedauert das, denn er arbeitet nach dem Credo: Qualität hat seinen Preis. "Und damit bin ich immer gut gefahren. Die Kunden bleiben, wenn sie zufrieden sind."
Aber all das sei nichts im Vergleich zu den positiven Eindrücken. Immerhin hat Markus Meier sich in Görlitz ein Zuhause aufgebaut und eine Familie gegründet. Im Kreißsaal trifft er gelegentlich sogar auf einen seiner Mitarbeiter. "Bei der Geburt meines ersten Kindes vor zwei Jahren waren mein Kollege Tobias Donath und ich zusammen da. Unsere Kinder kamen in kurzen Abständen zur Welt", erzählt Meier und amüsiert sich noch immer darüber. Vor vier Wochen wurde sein zweites Kind geboren. Und wieder hätte ihm fast ein Kollege Gesellschaft geleistet. Diesmal hatten Tobias Gaertner und seine Frau denselben Geburtstermin wie Familie Meier. Am Ende lag dann aber doch eine Woche zwischen den Geburten. So verwundert es kaum, dass die fünf Leute von benaja, ihre Frauen und Kinder auch privat gut befreundet sind.